Es muss wieder besser werden

swg 2018Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Sylter Wählergemeinschaft (SWG) wurde Ursula Lunk-Lorek nach 2016 erneut für zwei Jahre zur Vorsitzenden gewählt. Im Interview mit Sylter Rundschau-Redakteur Pierre Boom zieht die 67-Jährige eine Bilanz des zurückliegenden Wahlkampfjahres und blickt nach vorne auf neue Herausforderungen für die Wählergemeinschaft.

Frau Lunk-Lorek, welches waren die Schwerpunkte Ihrer Rede auf der SWG Mitgliederversammlung? Am Anfang meines Berichts stand selbstverständlich das Gedenken an meinen Vorgänger, unseren ehemaligen Vorsitzenden Franz Beilmann, der am 2. August im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Wir haben dann auch viel gesprochen über Franz – wie gut er uns unterstützt und begleitet hat die ganzen Jahre von der UBW, den Unabhängigen Bürgern Westerlands, an. Wie sehr er für uns gekämpft hat und wie ehrlich und gradlinig er gewesen ist. Das vergangene Jahr war natürlich geprägt von der Benennung unserer Kandidaten für die Kommunalwahl. Dabei ist stets auch die gesamte SWG-Fraktion eingebunden gewesen, damit alle immer auf dem gleichen Stand kamen und sich sowohl hinsichtlich der Personen, aber ebenso hinsichtlich der Wahlkampfthemen einbringen konnten. Dennoch musste die SWG bei der Kommunalwahl am 6. Mai ihr schlechtestes Wahlergebnis seit Bestehen hinnehmen. 6,7 Prozent Verluste gegenüber 2013, mit 13,8 Prozent nur noch knapp vor der SPD und den Grünen ...


Ich muss ehrlich eingestehen, das schlechte Wahlergebnis hat uns überrascht. Wir hatten zwar damit gerechnet, weniger Stimmen zu bekommen als 2013, weil ja nun mit Insulanern und Zukunft auf einmal drei Wählergemeinschaften da sind. Aber das Potenzial für Wählergemeinschaften ist eben einfach begrenzt. Ich denke, es liegt so etwa bei 30 Prozent, für alle Wählergemeinschaften zusammen.

Welche Gründe gibt es da- für Ihrer Meinung nach?
Ich denke, dass noch zu viele Leute immer nur die etablierten Parteien sehen. Das ist vor allem in den Köpfen der Alten noch total drin – und das ist halt die Generation 80 plus, die tatsächlich noch wählen geht. CDU und SPD haben zwar auch etwas verloren, aber das ist vor allem den Grünen geschuldet. Die haben einfach gute Kandidaten aufgestellt…
Außerdem muss man neidlos anerkennen, dass Insulaner und Zukunft es toll verstanden haben, ihre jeweiligen Klientele zu mobilisieren. Wir als SWG waren zwar da, viele von uns sind ja
individuell auch schon länger bekannt und geachtet für ihre Arbeit, aber es schlägt leider nicht durch auf die Wählergemeinschaft als Ganzes.

Muss die SWG diesen offensichtlichen Abwärtstrend hinnehmen? Oder was kann sie dagegen tun? Wir wollen natürlich nicht, dass es so bleibt. Es muss wieder besser werden. Das ist unser erklärtes Ziel. Wir werden die kommenden fünf Jahre unsere Arbeit machen – wie immer solide und nicht laut. Es kommt jetzt auf unsere vier Gemeindevertreter an und auch auf die SWGler, die als bürgerliche Mitglieder in den Ausschüssen und Ortsbeiräten sitzen. Aber wir müssen unsere Ziele besser rüberbringen, besser auch nach außen tragen über neue Medien wie Internet und Facebook. Und wir müssen mehr Transparenz zeigen mit dem, was wir machen und wie wir es machen. Vor der Wahl hat Spitzenkandidat Mario Pennino angekündigt, dass die SWG künftig auch Doppelmitgliedschaften zulassen, also Mitglieder etablierter Parteien aufnehmen will. Wie ist dazu der aktuelle Stand?

Jede Fraktionssitzung unserer Wählergemeinschaft ist „offen“ – heißt, dass jeder, der Interesse an politischen Themen hat, auf unseren Sitzungen herzlich willkommen ist und gerne bei unserer Meinungsbildung mitwirken darf und soll. Wir begrüßen dabei wirklich jeden. Es wird auch für die SWG kein K.o.- Kriterium sein, wenn jemand auf Kreis-, Landes- oder Bundesebene ein anderes Parteibuch in Händen hält. Und auch für die Ausübung eines Mandats in der Sylter Wählergemeinschaft wird dies zukünftig keine Hürde darstellen.

„An erster Stelle steht der Wohnungsbau für Sylter“

Lassen Sie uns über Inhalte reden:
Welche Themen sind der SWG für die Zukunft besonders wichtig? An erster Stelle selbstverständlich der Wohnungsbau für Sylter. Es muss jetzt weitergehen mit dem Gebiet Westhedig und vor allem mit dem StOV-Gelände. Dort haben wir zum Beispiel vorgeschlagen, eine Krippe in die Planungen zu integrieren. Angepackt werden muss endlich auch die Fläche Mühlenweg/Horstweg am Westerländer Friedhof. Das haben weder Petra Reiber noch bisher Nikolas Häckel geschafft.
Wie soll es weitergehen mit dem Verhältnis Dauerwohnraum zu Ferienwohnungen auf Sylt? Die heftig diskutierte 40/60-Regelung ist gescheitert, auch das von zwei SWG- und CDU-Politikern entworfene so genannte Hansen-Kerkamm-Papier fand keine Zustimmung…

Vielleicht ist es an der Zeit, anzuerkennen, dass das Projekt bezahlbarer Dauerwohnraum einzigst durch die Gemeinde realisiert werden kann. Alles andere sind halbherzige „Krücken“, welche zu viel Rechtsunsicherheit mit sich bringen. Wir sind für sämtliche Vorschläge und Ideen offen, haben jedoch im Moment nichts in der Schublade, um die Problematik zu lösen. Was jedoch den bezahlbaren Dauerwohnraum angeht, so sind wir auf einem ganz guten Weg und haben in den vergangenen Jahren ja bereits Einiges umgesetzt.
Gerade Sie persönlich haben sich auch immer wieder in Sachen ÖPNV engagiert und vor allem die Fahrplan-Politik der SVG kritisiert ...

Ich bin der Meinung, das der Stadtbus und der Kleine Tinnumer in Zukunft nicht im 90-Minutentakt fahren dürfen. Für den Süden Westerlands und zum Beispiel das Pflegeheim im Wenningstedter Weg ist das einfach zu wenig. Außerdem erweitert die Gemeinde das Wohngebiet Süd und da gehört auch ein erweiterter Busfahrplan dazu. Ein Beispiel: Ab Südwäldchen/Theodor-Heuss-Straße um 16.13 Uhr, am ZOB 16.28 Uhr, weiter mit dem Kleinen Tinnumererst um 17 Uhr zur Siedlungsstraße, Ankunft dort 17.12 Uhr. Oder warum kommt der Stadtbus erst um 15.02 Uhr an der Alten Dorf kirche an, wenn bei der AWO und im Gemeindezentrum seit Jahren die Veranstaltungen um 15 Uhr anfangen. Ich weiß, es geht dabei nicht um viele Personen, aber gerade für ältere und allein lebende Einwohner ist ein gutes Busnetz sehr wichtig.

Das SWG-Führungsteam hat sich seit der Kommunalwahl, zum Beispiel mit dem neuen Fraktionschef Mario Pennino oder mit „Newcomerin“ Rebecca Scharf, zwar deutlich verjüngt. Sie als Vorsitzende und auch Ihr Stellvertreter Erik Kennel sind aber bereits jenseits der 60 Jahre – ein Widerspruch oder bewusst so gewollt?
Ich wurde zu meiner erneuten Wahl als Vorsitzende aus der Versammlung heraus vorgeschlagen. Es ist keine weitere Bewerbung gekommen. Es hat sich einfach kein anderer von den Jüngeren bereit erklärt. Somit haben wir es – zumindest aktuell – noch nicht geschafft, eine Art „Jung/Alt-Doppelspitze“ zu etablieren. Aber man muss sehen, dass auf die Jüngeren jetzt, wie bereits gesagt, sehr viel Arbeit als Gemeindevertreter und auch in der Fraktion zukommt.

Sylter Rundschau vom 08.10.2018

 

 

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